Köhler in Ungarn und Polen


nach
Norbert Peter

Wo es Wald gibt, waren die Kohlenbrenner zu Hause. Nicht nur im Bayerischen Wald, sondern auch in andern waldreichen Gegenden. In der Ausstellung "Köhler in Ungarn und Polen" im Forum für Fotografie wird dieses uralte Handwerk präsentiert, zu der Siegward Schmitz die faszinierenden und eindruckvollen Fotos schuf.

Die Bilder in Schwarzweiss geben Einblick in das Leben der Köhler, in die harte Arbeit, die Schweiss fordert. Jede der Stimmungen, rauchgeschwängert, aber auch das Idyll des Waldes hat der Künstler mit dem Objektiv eingefangen. Siegward Schmitz hat sein Handwerk gelernt. Er ist seit 1978 Dozent für Fotografie an der Volkshochschule Gummersbach und er ist nach den ersten Erfolgen beim Gelernten nicht stehen geblieben. Er war in Leiden ein Schüler von Prof. Wim Noordhoek, in Bialystock Meisterschüler bei Henryk Rogozinski. Von dieser Zeit in Polen stammt der Kontakt zu polnischen Kollegen, aus dem die Gemeinschaftsaustellung "Annäherung" hervorging.

Siegward Schmitz geht geduldig und einfühlsam mit den Menschen um und deshalb sind auch die Menschen bereit, sich ohne Vorbehalte vor seine Kamera zu begeben. Wie etwa die Familie Lörincz. Die Familie Lörincz kommt jedes Jahr aus Rumänien in den Wald des Bükk-Gebirges im Nordosten Ungarns. Die drei Männer, Vater Lörincz und seine zwei Söhne, errichten grosse Kegelmeiler, in denen sie Holzkohle brennen. Im Herbst kehren sie in die Heimat zurück und haben für rumänische Verhältnisse gutes Geld erwirtschaftet.


Der ältere der Söhne ist auf dem Gipfel des Meilers stehend, zur Leitfigur der Ausstellung geworden. Kraft und Stolz der Männer, die Freiheit in den Wàldern, Lichtstrahlen im Rauch und Dampf der Meiler, Bilder voll von Kraft, Würde und Waldromantik. Fast zuviel der Wirklichkeit muten die Fotos aus Polen an. Ausgemergelte Männer, die in ausrangierten Militärfahrzeugen hausen, gekennzeichnet vom Hautkrebs und Alkohol. Doch Siegward Schmitz nimmt ihnen nicht die Würde, er zeigt sie in ihrer Stärke und Härte.

Vor diesem Hintergrund kann die integre Leistung des Fotografen Siegward Schmitz nur gewürdigt werden. Der Künstler mit der Kamera gibt der Wahrheit und der Würde Raum, lässt Schönheit zu, bewahrt aber vor Illusionen.