VitaAfficheur


Jean Marc Seiler


Geboren 1942 in Frankreich. Vater lyrischer Tenor. Frankreich, Schweiz. Mutter Tänzerin. Tschechoslowakei. Der Grossvater mütterlicherseits kollaborierte als ranghohes Mitglied der tschechischen Armeeführung mit den deutschen Besatzern. Bei seiner Verhaftung in Prag durch die russischen Befreier entzog er sich einer standrechtlichen Hinrichtung, indem er sich mit einem Pistolenschuss selber tötete.

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Kindheit, mitgeprägt durch den frühen Tod der Eltern und ausgiebigen Erfahrungen mit Kinderheimen, einem Stiefvater und mehreren Stiefmüttern. Wächst trotzdem auf mit einer frühen und gesunden Abneigung gegen Sport und Religion.

Kunstgewerbeschule in Zürich. Ausbildung zum Grafiker. Lehre. Schauspielunterricht. Klavierunterricht am Konservatorium. Einrücken in die Rekrutenschule mit einem leeren Koffer und dem Roman Moderato Cantabile von Marguerite Duras. Unverzügliche Überführung in die psychiatrische Klinik Friedmatt in Basel durch die Militärbehörden. Die Frage, ob nicht die Eingesperrten die Normalen sind, begann ihn damals schon zu beschäftigen. Wurde nach diesem dreiwöchigen Zwangsaufenthalt mit dem Stempel Dienstuntauglich staatlich geehrt. Auswanderung nach Wien. Missratener Versuch einer Schauspielerkarriere an einem dortigen Kleintheater.

Arbeitet als Grafiker in einer grossen Zürcher Werbe- und PR-Agentur, unter anderem an der Gebrauchsanweisung eines streng geheimen Flugabwehr-Systems der Schweizer Armee. Beleuchter am Schauspielhaus Zürich. Liest aus dem Zauberberg als Sprecher in einer Multimedia-Produktion. Spielt kleine Nebenrollen in Filmen von F.M. Murer. Spielt in einem Kurzfilm von P.K. Wehrli den stummen Gesprächspartner des Dadaisten Walter Mehring.

Schreibt Prosatexte, Gedichte, Monologe. Lesung am Literaturpodium der Stadt Zürich. Gastauftritte bei Urban Gwerders Poetenzen. Mitautor der Zeitschrift Hotcha. Mitbegründer und Texter der Arbeitsgruppe Frieden. Drehbuch, Dekor und Regie des s/w-Filmes Agonie. Schreibt das Theaterstück Grastreppe. Und dann noch eins. Schreibt und produziert unter dem Pseudonym Waldow 1969 die Textplatte Oliven. Heute auf einer Compact Disc wieder erhältlich.

Seit 1968 eigenes Atelier für Grafik und Text. Gestaltungs-Konzepte und Texte für Werbekampagnen. Messestanddesign. Filmgrafik. Zahlreiche Theater- und Film-Plakate. Entwirft Bühnenbilder für diverse Theater. Definitiver Abschied von der Werbung. Eröffnung der Rahmerei. Es entstehen Reliefs und Radierungen. Mehrere Ausstellungen im In- und Ausland. Definitive Wiederaufnahme der Tätigkeit als Grafiker und Texter. Fortgesetztes digitales Aufrüsten der Gestaltungs-Werkzeuge. Eröffnung der Grafik Galerie Zürich. Eröffnung des Fotokabinett Zürich. Eröffnungen und Schliessungen. Spielt kleine Nebenrollen in Filmen von Mathieu Seiler. Mitbegründer des Wolfbach Verlag Zürich für Literatur. Typografisches Design und Produktion von Büchern.

Vater von drei Kindern. Betrachtet die Europäische Union als gefährliches und mafioses Banken- und Wirtschaftskartell. Keine Parteimitgliedschaften. Hoffnungsloser Optimist. Begibt sich oft in tiefe Gewässer – und sucht als Nichtschwimmer ein rettendes Ufer

SIEGEN IST PERVERS
ist eine Sammlung von Kleinplakaten von Jean-Marc Seiler (Text und Typografie) aus den Jahren 1998, 1999 und 2000